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Tonsysteme im Kino

Eigentlich geht man ja ins Kino, um einen Film zu sehen. In den letzten Jahren ist aber neben einer großen Leinwand auch ein guter Ton Voraussetzung für den Genuß eines Filmes. Zumindestens kann ein hervorragender Ton auch einen inhaltlich rottigen Film wie z.B. Godzilla noch zu einem Erlebnis machen.

Lichtton

Nach vielen Versuchen, den Bildern auf einem Film Ton hinzuzufügen (z.B. mit mehr oder weniger synchron laufenden Schallplatten), setzte sich der sogenannte Lichtton durch. Hierbei wird ein optisches Abbild der Schallwellen als Tonspur neben der Filmspur aufgebracht. Beim Kopieren des Films wird automatisch auch der Ton mitkopiert. Dieser Mono-Ton wird durch Zufügen einer zweiten Lichttonspur zum Stereo-Ton. Bis heute können alle normalen Kinos diesen Ton abspielen.

Magnetton auf 35mm

Seit den Fünfziger Jahren wurden auf 35mm Film auch Kopien mit 4 Kanal Magnetton hergestellt. Dieses Verfahren konnte aufgrund der hohen Herstellungskosten und des technischen Aufwands den Lichtton jedoch nicht ablösen.

Magnetton auf 70mm

Nur einige wenige Filmtheater sind heute noch in der Lage, 70mm Filme zeigen zu können. Während beim 35mm Film eine spezielle anamorphe Cinemascope Optik dafür sorgt, daß das auf dem Film gestauchte Bild im korrekten Seitenverhältnis auf die Leinwand projiziert wird, bietet der 70mm Film ein Cinemascope ähnliches Format mit deutlich verbesserter Auflösung.

 

Neben dem Film werden bis zu 6 Magnetspuren aufgebracht, die den Ton enthalten. Die Kopien solcher Filme sind sehr teuer und anfällig für Beschädigungen.

 

Das 70mm Format hat in den Neunziger Jahren enorm an Bedeutung verloren, in Deutschland ist eine 70mm Präsentation eine echte Seltenheit geworden.

 

Nur zum Beginn des Multiplex Booms wurden einige Häuser mit 70mm Technik ausgestattet, z.B. das CinemaxX Hannover. Deren Riesenleinwände erfordern eigentlich eine bessere Auflösung als sie der 35mm Film bieten kann. Die enormen Mehrkosten und die schlechte Verfügbarkeit von 70mm Kopien verhinderten jedoch einen Erfolg.

 

Dennoch wurden bis in die 90er Jahre hauptsächlich für Premierenkinos gelegentlich sogenannte "Blow Ups" von 35mm Filmen auf 70mm hergestellt. Hauptgrund war der dem Lichtton qualitativ überlegende Magnetton. Mit der Einführung der digitalen Tonsysteme kam jedoch das endgültige Ende der 70mm Technik.

Dolby Stereo

Der Name Dolby steht seit langer Zeit für die Verbesserung vorhandener Tontechnik. Das erste erfolgreiche Produkt war ein Rauschunterdrückungssystem für Tonbänder, das bis heute als Dolby, Dolby B, Dolby C und Dolby S in Kassettenspielern zu finden ist.

 

Auch die Entwicklung der Tonwiedergabe im Kino hat Dolby in den 70ern geprägt. Zunächst durch den Einsatz der Rauschunterdrückung im Lichton (Dolby A), dann durch die Erweiterung von Stereo auf 4 Kanal Ton (Links, Mitte, Rechts, Surround) durch ein Matrixverfahren (Dolby Stereo). In den Achtzigern verbesserte Dolby den Dynamikbereich (Abstand zwischen dem lautesten und dem leisesten Ton) und die Rauschunterdrückung des konventionellen Lichttons (Dolby Stereo Spectral Recording).

 

Eine weitere Verbesserung der Dynamik wird bei der Wiedergabe durch Abtastung mittels Lasers statt Lampe oder Diode erreicht.

 

Diese Maßnahmen führten dazu, daß der aufwendigere und teurere, aber qualitativ auch bessere Magnetton durch die Dolby Wiedergabe verdrängt wurde. Erst die preiswerten Digitaltonverfahren brachten zu Beginn der 90er endlich wieder Schwung in das Thema.

 

Die Systeme der Firma Dolby sind nicht unumstritten. Speziell die Anwendung der Dolby-Technik auf 70mm Magnettonspuren wird von Anhängern dieses Formates häufig kritisiert. Viele, die noch zu Zeiten des Kassettenrekorders aufgewachsen ist, verbinden die "Dolby-Taste" sicherlich mit "weniger rauschen, aber klingt irgendwie muffig".

CDS

Seit Anfang der 90er Jahre wurde die Ablösung des analogen Lichttons vorbereitet. Das erste kommerzielle Digitaltonsystem CDS (Cinema Digital Sound) wurde unter anderem von Kodak mitentwickelt. 5 vollwertige, diskrete (also voneinander unabhängige) Tonkanäle (Links, Mitte, Rechts, Surround links, Surround rechts) und ein frequenzbeschränkter Basskanal (zusammen als 5.1 bezeichnet) wurden digital als optische Tonspur anstelle des Lichttons auf dem Film aufgebracht.

 

Der Digitalton ersetzte damit den analogen Ton, was bei einem Ausfall des Digitaltons zu Stille im Saal führte. Das System setzte sich nicht durch, und nur wenige Filme wurden jemals mit einer CDS Tonspur ausgestattet (The Doors, Terminator 2).

dts

Mit Steven Spielbergs Jurassic Park wurde 1993 das dts Digitaltonsystem eingeführt. Hierbei befinden sich neben dem analogen Lichtton zusätzlich Zeitmarkierungen auf dem Film. Anhand dieser Markierungen wird der zum Bild passende Ton von bis zu 2 CD-Roms abgespielt. Auch hier können bis zu 5 vollwertige Tonkanäle und ein ein Basskanal benutzt werden (5.1). Der Ton wird komprimiert auf den CD-Roms abgespeichert, wobei eine Kombination aus verlustfreier und verlustbehafteter Komprimierung verwendet wird. Sollte der Digitalton ausfallen (was bei dts sehr selten ist), wird automatisch auf Lichtton umgeschaltet.

 

Angekündigt ist eine Erweiterung um einen dritten Rear Surroundkanal, die nach dem gleichen Prinzip wie das weiter unten beschriebene Dolby Digital Surround EX funktioniert.

 

Gelegentlich taucht in Filmen im Abspann auch die Bezeichnungs dts-Stereo auf (z.B. Twelve Monkeys). Dieses System ist mit dem Dolby Stereo System kompatibel und dient wohl hauptsächlich dazu, die Abgabe von Lizenzgebühren an Dolby zu sparen.

 

Eine weitere Variante, die ebenfalls unter der Bezeichnung dts-Stereo vermarktet wurde, war die Verwendung einer CD als Tonträger für ein Dolby Stereo kodiertes zweikanaliges Signal, das durch einen ganz normalen Dolby oder kompatiblen Kinoprozessor geschickt wurde.

 

Neben Dolby Digital wird auch dts als optionale Tonspur auf Laserdisc und DVD angeboten. dts ist das einzige Digitaltonformat, das auch mit 70mm Filmen verwendet werden kann.

Dolby Digital

Vom Marktführer für Kinotonsysteme wurde 1992 kurz vor dts mit dem Film Batman's Return das Dolby Digital System vorgestellt. Der Ton befindet sich zusätzlich zum Lichtton zwischen den Transportlöchern des Films und kollidiert somit nicht mit anderen Digitaltonsystemen. Auf ein zusätzliches Medium wie die dts CD-Roms wird verzichtet. Deshalb muß der Ton sehr stark komprimiert werden (etwa 10:1 bis 12:1), um in digitaler Form auf dem Film Platz zu finden. Allerdings hatte Dolby aber sehr wohl genug Platz, um in jedem Tonframe noch sein Emblem unterzubringen.

 

Je nach Qualität und Alter der Filmkopie kann es zu gelegentlichen Ausfällen des Dolby Digital Tons kommen. Das lässt sich besonders bei den Dolby Trailern feststellen, die gerne vor dem Hauptfilm gezeigt und immer wieder mit anderen Filmen zusammengeklebt und wieder getrennt werden müssen.

 

Das Dolby System erfordert eine gute Wartung. Der Lesekopf für das digitale Tonsignal verwendet eine Diode zur Abtastung. Diese muss nach einiger Zeit ausgetauscht werden, da ihre Leistung abnimmt und dann zunehmend Bitfehler auftreten. Der Decoder verfügt zur Kontrolle über eine Anzeige der Fehlerrate.

 

Eine Erweiterung um einen mittleren Effektkanal wurde mit Dolby Digital EX zur Premiere von Star Wars Episode 1 eingeführt. Der dritte Kanal wird dabei aus den beiden Effektkanälen berechnet. Dadurch wird die Kompatibilität mit bestehenden Installationen sichergestellt, der zusätzliche Effektkanal liegt dadurch aber nicht diskret vor, was eigentlich einen Rückschritt darstellt. Durchgesetzt hat sich das System nicht, nur wenige Betreiber haben das System installiert.

SDDS

Von Sony stammt das SDDS (Sony Dynamic Digital Sound) Tonsystem, erstmals zu bestaunen 1993 bei Arnold Schwarzeneggers Last Action Hero. Wie bei Dolby Digital befindet sich der Ton digitalisiert auf dem Film, und zwar links und rechts von den Transportlöchern. Beide Seiten enthalten redundante Informationen, um die Ausfallsicherheit zu verbessern.

 

Auch hier findet sich die Aufteilung in 5.1 Tonkanäle. Optional können 5 Frontkanäle (ganz links, links, mitte, rechts, ganz rechts), also 7.1 verwendet werden. Letzteres Verfahren setzt natürlich die entsprechene Lautsprecheraustattung in den Kinos voraus, was nur selten der Fall ist und auch nur bei sehr großen Leinwänden Sinn ergibt. Alle Kanäle haben den vollen Frequenzumfang.

 

Auch bei SDDS wird der Ton komprimiert, wobei das Atrac Verfahren der Sony Minidisc verwendet wird. Die Kompression beträgt 5:1, ist also weniger aggressiv als Dolby Digital.

THX

THX ist kein Tonsystem. Ein Kino, das über ein THX Zertifikat verfügt, muß einige von Lucasfilm festgelegte Kriterien erfüllen:

 

<typolist>

Qualität der Projektion (Helligkeit, Schärfe)

Verwendung THX zertifizierter Endstufen und Lautsprecher

Verwendung der sogenannten THX Weiche, die eine Anpassung der Lautsprecher untereinander und an die Saalakustik vornimmt

Schallisolierung des Saals gegenüber äußeren Einflüssen (z.B. des Nachbarsaales oder des Eingangsbereichs)

Regelmäßige Kontrolle und Wartung der Systeme durch einen Tontechniker

</typolist>

 

Das zugrundeliegende Tonsystem kann dabei Dolby Stereo (also analog), Dolby Digital, dts oder SDDS sein. THX bezieht sich im Tonbereich lediglich auf die sogenannte B-Chain, also Endstufe und Lautsprecher. Tatsächlich tut die zusätzliche THX Hardware (die THX Weiche) bei Verwendung von Analogton einiges mehr als beim Digitalton (Decorrelation für einen diffuseren Surroundklang, Abtrennung eines seperaten Basskanals), mit der zunehmenden Verbreitung der digitalen Tonsysteme spielt das aber praktisch kaum noch eine Rolle.

 

Mittlerweile hat die Marke THX im Kinobereich einen schlechten Ruf bekommen, da zunehmend auch Unterhaltungs-Elektronik mit THX-Zertifikaten beworben wird, sogar Computer Brüllwürfel dürfen sich mittlerweile mit dem THX-Logo schmücken. Insofern ist es nur konsequent, daß sich einige Filmtheater-Betreiber, wie z.B. die CinemaxX und CineStar Gruppen, von ihren teuren THX-Lizenzen getrennt haben.

 

HPS 4000

Der Tontechniker John F. Allen entwickelt seit Anfang der 80er Jahre das Tonwiedergabe-Konzept HPS 4000 für Lichtspielhäuser. Ähnlich wie bei THX wird auch schon während der Planungsphase eines Theaters HPS 4000 mit einbezogen.

 

Im Gegensatz zu THX liefert HPS 4000 jedoch auch die Lautsprecher-Ausstattung. Diese Lautsprecher sind für hohe Pegelfestigkeit und optimalen Klang entwickelt worden. Endstufen werden nicht von HPS 4000 angeboten, müssen jedoch gewisse Qualitätstandards erfüllen. Als Tonquelle werden alle gängigen Digital-Formate akzeptiert.

 

Obwohl die einmaligen Einricht- und Anschaffungskosten höher liegen als bei der Ausstattung eines THX-Saals, ist der Betriebs eines HPS 4000 Systems aufgrund nicht anfallender jährlicher Lizenzkosten auf Dauer nicht teuerer. Die hohe Qualität der Lautsprecher-Systeme hält die Wartungskosten gering.

 

In Deutschland hat sich bislang erst ein Kinobetreiber zur Ausstattung seiner Säle mit dem HPS 4000 System entschieden, das neue Alhabramba in Berlin Wedding verfügt über HPS 4000 in allen Sälen. Ein Besuch des Kinos hat die Qualität des Systems bestätigt, der Klang ist deutlich runder und die Effektlautsprecher scheppern nicht, sondern tragen tatsächlich zum Raumklang bei.